SFDR 2.0 ? : EU startet großen Neustart der Offenlegungsverordnung – und stellt deutsches Kapital vor neue Chancen und Fragen
Die EU-Kommission hat am 20. November 2025 einen weitreichenden Vorschlag zur Reform der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) vorgelegt.
Was ändert sich – und warum ist das für institutionelle und private Anleger in Deutschland relevant?
- Künftig soll es drei freiwillige ESG-Kategorien geben: „sustainable“, „transition“ und „ESG basics“.
- Die Offenlegungen werden deutlich gestrafft – weniger Pflichtfelder, kürzere Templates.
- Neue ESG-Produkte müssen mindestens 70 % ihres Portfolios auf echte nachhaltige Ziele ausrichten und gewisse Ausschlüsse beachten.
- Gleichzeitig sollen ESG-Claims in Produktnamen restriktiver verwendet werden, um Greenwashing zu vermeiden.
- Die Entity-Level-Offenlegung (z. B. zu negativen Nachhaltigkeitsauswirkungen) wird abgeschafft beziehungsweise deutlich reduziert – das betrifft vor allem kleinere Anbieter.
Vorteile:
- Für institutionelle Investoren (Pensionsfonds, Versicherungen, Großvermögen) könnte die Regulierung einfacher, kostengünstiger und nutzerfreundlicher werden.
- Mehr Klarheit bei der Klassifizierung von Investmentprodukten: Anleger wissen besser, worin sie wirklich investieren.
- Stärkere Verteidigung gegen Greenwashing durch verbindlichere Kriterien und eingeschränkte Namensnutzung.
Kritische Aspekte:
- Wenn die Offenlegungspflichten gelockert werden, droht ein Verlust an Tiefgang bei der Bewertung von ESG-Risiken.
- Kritiker warnen, dass der neue Rahmen zu weiteren Schlupflöchern führen könnte, gerade bei Transition-Produkten.
- Einige institutionelle Investoren könnten zögern, radikal grüne Strategien zu fahren, wenn weniger strenge Offenlegung genügt – das schwächt den Kapitalfluss in echte Nachhaltigkeit.
Fazit & Appell:
Regulierung ist ein wichtiger Hebel – aber nicht alles. Was wir jetzt brauchen, ist nicht nur klarere Regeln, sondern konsequentes Handeln: Kapitalströme müssen nicht nur grün etikettiert, sondern tatsächlich in nachhaltige Projekte gelenkt werden. Reform allein reicht nicht – der nächste Schritt ist: Investieren.
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